7. KSK Music Open im Ludwigsburger Schloss!

LaBrassBanda, MOOP MAMA und Django S am Freitag, 4. August 2017 live in Ludwigsburg

lbb_highres_01aLive immer noch einen draufzusetzen, ist für LaBrassBanda noch nie ein Problem gewesen. Die notorisch vollgasfreudigen Blasmusik-Tanzpop- Wahnsinnsknaben aus dem Chiemgau haben in den letzten Jahren so viele Clubs, Hallen, Bierzelte und Festivals, ja sogar eine ESC-Vorausscheidung schwindlig gespielt, dass sie dafür längst ein bisschen weltberühmt sind: Kaum eine lebende Liveband hat einen dermaßen kurzen Draht zu ihrem Publikum – wo bei anderen Bands der gern zitierte „Funke überspringt“, findet zwischen LaBrassBanda und ihren Fans ein ungedimmter Energiefluss statt; quasi Standleitung.

Was aber tut diese Band, wenn sie mal einen Gang oder vier zurückschalten will? Die Idee und die Lust darauf, sich mal von einer ganz anderen, ruhigen Seite zu präsentieren und ein stromloses, akustisches, unverstärktes – woanders nennen sie es „unplugged“ – Konzert aufzunehmen, trug die mittlerweile zum Oktett gewachsene Band um Meisterhirn Stefan Dettl schon länger mit sich herum. Für so ein Konzert ein hübsches kleines Theater anmieten oder an einem lauschigen Plätzchen ein gemütliches Open Air zu spielen – Möglichkeiten hätt’s viele gegeben. „Aber uns war klar“, sagt Stefan Dettl, „wenn wir vor Leuten spielen und die uns anpushen, dann geht das nicht. Da sind wir sofort infiziert und geben die Energie zurück, und dann geht’s dahin. Wir brauchen ein Publikum, das uns null anstachelt. Und das wären Kühe.“

Ein Konzert im Kuhstall – das klingt aufs erste wie ein Gag und originell. Aber die tiefere Sinnhaftigkeit dieser Idee wird schnell jedem klar, der sich einmal längere Zeit in einem (gut geführten) Kuhstall aufgehalten oder gar mit Kühen gearbeitet hat: Nichts holt dich so natürlich und vollorganisch von deinem Stresslevel herunter wie eine Kuh oder gar ein ganzer Stall voll. Ein Kuhstall, wenn mit der richtigen Haltung und mit Respekt betreten, kann wirken wie ein begehbarer Stresskompensator, der in einer Art Ruhe-Rückkopplung die Hektik regelrecht aus einem herauszieht; mehr ZEN-mäßig, verstehn S’. Dazu haben Kühe – und das gilt nicht erst seit den Zeiten, als es unter progressiven Landwirten Mode war, für gedeihlicheren Milchfluss im Stall Mozart-Sonaten säuseln zu lassen – durchaus Sinn für Musik. Gemütlich sollte sie halt sein. Und so war die Aufgabenstellung für Dettl und seine Band gesetzt: Alle Systeme auf Schubumkehr. „Uns war klar: Wir müssen so schön und leise und gut Musik machen, dass es den Kühen gefällt.“ Wild pulsierende Stücke wurden konsequent umarrangiert, der Band jegliche Elektrik entzogen – Kontra- statt E- Bass, Ukulele, Akustik- statt E-Gitarre. „Wir haben vier Wochen geprobt und sind immer leiser geworden, von Tag zu Tag. Und am Ende waren wir so leise, dass die Gesangsstimme quasi das lauteste Instrument war und wir komplett unverstärkt spielen konnten.“

Ein Bauer, der sich dieses einzigartige Projekt für sich und seine Kühe vorstellen konnte, war auch schon gefunden, nicht weit vom Bandhauptquartier Truchtlaching in Höllthal – ein im nördlichen Chiemgau sozusagen rockmythologisch aufgeladener Name; in dem kleinen Weiler direkt an der Alz fanden in den 80er und 90er Jahren die, ja: legendären Höllthal Open Airs statt. Der Laufstall für 80 Bewohnerinnen wurde zart verkabelt und mit minimaler Beleuchtung ausgestattet. Und an zwei Tagen im April nahm die Band dann auf dem Futterplatz in der Mitte des Kuhstalls Aufstellung zum Konzert. „Am Anfang waren wir noch recht nervös, die Kühe auch ein bisschen“, erinnert sich Stefan Dettl. „Aber dann wurden wir alle immer ruhiger und haben sehr beseelt in das Konzert hineingefunden. Wir hätten nicht geglaubt, dass man mit Kühen zusammen so ein schönes Musikerlebnis haben kann.“

Und dieses Erlebnis macht der Mitschnitt, der jetzt unter dem Titel „Kiah Royal“ (Dialekthilfe: „Kiah“, oberbairisch Mehrzahl von „Kuah“, sprich: Kühe) auf DVD, CD und Vinyl erscheint, dankenswerterweise auch für Außenstehende und Nicht-Kühe erfahrbar. Eines ist mal sicher: So besonders, so naturnah und bei sich, so konzentriert in sich ruhend und auf die Essenz ihrer Musikalität zurückgeführt, hat man LaBrassBanda noch nie gehört.

12 LBB-Originale von der „Autobahn“ über den „Bauersbua“ bis zum „Roten Hoserl“ erscheinen in teils völlig neuem Klanggewand, irgendwo zwischen Standkonzert und Hoagascht und Tanzlmusi. Dazu haben drei musikalische Gäste in den Stall im Höllthal gefunden: Aus Hamburg kam Rocko Schamoni, um mit der Band seinen Hit „Der Mond“ vor die Kühe zu bringen, für Trio-Altmeister Stephan Remmler wurde dessen 80er-Jahre-Gassenhauer „Keine Sterne in Athen“ in die Blasmusik überführt und Ex-Biermösler Christoph „Stofferl“ Well gab passenderweise seinen Milchbauern-Solidaritäts-Rap „40 Cent“ zum Besten. Der Kuhstall als „Stimmungsort“ funktioniert wunderbar, auch akustisch. Stefan Dettl: „Das gemütliche Fressen von Heu, hier mal aneinander reiben, da mal ein Schnaufer und ein bisschen umeinandermuhen – das hört man natürlich, das ist uns auch wichtig fürs Ambiente.“ Die Bewohnerinnen, zu denen die Band ­ wie könnte es anders sein – dann doch wieder einen ganz kurzen Draht bekommen hat, erfahren übrigens noch eine ganz besondere Würdigung: Im formidablen Artwork zu „Kiah Royal“ werden Pulsa, Venus, Vinka, Waschel, Sindra und wie sie alle heißen mit Portraitfotos ­ in der „Special Box“ gar mit Sammelkarten auf Heu gebettet verewigt sein. Und das hat tatsächlich auch noch kein LBB- Publikum geschafft.

Josef Winkler, MUH

MOOP MAMA

Wenn du vor dieser Wand aus Posaunen und Trompeten stehst. Wenn dir die Druckwellen mit Wucht ins Gesicht schlagen. Wenn sich die kollektive Energie zu einem einzigen Sound verdichtet. Nichts ist so wie dieses Gefühl, das sich schwer beschreiben, aber umso besser spüren lässt. “Bläser sind sehr menschliche Instrumente. Sie haben eine wahnsinnig direkte Energie, fast wie Gesang. Sie können laut und mächtig sein, aber auch gefühlvoll. Außerdem repräsentieren sie eine Gemeinschaft. Mit nur einem Bläser kann man keine Harmonie spielen. Es müssen immer mehrere Menschen zusammen kommen und ihren Teil dazu beitragen. Das ist, was uns ausmacht.” Der das sagt, ist Keno Langbein. Er ist Texter, Rapper und Sänger bei Moop Mama. Seit mittlerweile sieben Jahren ist die Münchner “Urban Brass”-Band auf ihrer ganz eigenen Mission – mit zehn Mann auf der Bühne und einer einzigartigen Power, die neugierige Novizen in überzeugte Fans verwandelt, bevor diese überhaupt so recht begriffen haben, was da eigentlich los ist. Moop Mama ist physisches Entertainment, Hip-Hop als Erfahrung. “Live”, hält Saxofonist Marcus Kesselbauer ohne zu zögern fest, “sind wir ein Brett. Wenn wir alle auf der selben Welle reiten, dann gibt es kein Halten.”

Django S

“Bier, Party, Pogo, Schweiß, Dreck, Orgasmus, Tod.” Und zwar in dieser Reihenfolge. Habt Ihr Angst? Keine Sorge, hier wird nicht zur hedonistischen Völkerschlacht aufgerufen. Das ist lediglich die Beschreibung für die legendäre Krawallsensation, die aus den bayrischen Alpentälern ausgerotzt wurde. Django S. spielen einen Bastard aus Ska, Rock’n’Roll, Mundart, Balkan Beats und bairischer Lässigkeit, garniert mit nackten Oberkörpern, ausgelassener Lebensfreude und Leichtigkeit im russischen Stil. Mit dem Charme von Wanda und Bilderbuch, mit einem Frontmann wie Felix von KK oder Campino und der Live Energie von LaBrassBanda und Russkaja vereint diese Band alles, was für eine bärenstarke Live Präsenz nötig ist. Das Publikum wird eingeladen Mitzuklatschen, Mitzusingen und Mitzuspringen, unabhängig der Herkunft oder Dialektkenntnisse. Eben eine feuchtfröhliche Party! Wenn diese Jungs auf die Bühne gehen steht kein Bein mehr still! Dann schicken sie nicht nur Kosmonaut Suri SkaGarin wieder ins All, sondern den ganzen verdammten Club. Wer hier zusehen kann, ohne komplett auszurasten, hat die Begeisterungsfähigkeit eines Goldfisches.

 

Wir danken allen Partnern und Sponsoren der KSK-music-open 2017.

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